Power Ranking der neuen Songs der Strokes

Vom am wenigsten Strokes zum am meisten Strokes. Oder, wenn man so will, vom meisten Daft Punk zum meisten Strokes.

27. Juli 2026 · 4 min

reality awaits the strokes

Das neue Album der Strokes, Reality Awaits, scheint absichtlich darauf ausgelegt, ein möglichst breites Publikum zu nerven, ein bisschen wie der Ferrari Luce. Es wird nicht allzu viele neue Fans gewinnen, und einen guten Teil der alten Fans nicht überzeugen.

Sechs Jahre nach The New Abnormal war die Erwartung rund um Reality Awaits riesig. Mit der Single Going Shopping hatte die Band selbst schon dafür gesorgt, die Erwartungen zu senken, oder zumindest sofort klarzumachen, welche Richtung das neue Album einschlagen würde.

Die fast 50 jährigen Strokes weiterhin mit denen von 2001 und 2003 zu vergleichen, ergibt schlicht keinen Sinn mehr. Manche Trends kommen immer wieder, oder verschwinden nie, wie weite Hosen oder amerikanische Bombardierungen im Nahen Osten, aber jene historische Phase beruhte auf völlig anderen Dynamiken als 2026.

Die heutigen Strokes mussten sich entscheiden: eine Karikatur ihrer selbst werden, vielleicht mit Jubiläumstouren zu Is This It und Lederjacken für frisch geschiedene Boomer, oder sich wie Strokes verhalten und den Lauf der Zeit annehmen, auch auf die Gefahr hin, nicht mehr zu gefallen. Sie haben sich klar für die zweite Option entschieden.

Reality Awaits steckt voller Autotune, aber wer sich darüber wundert, hat wohl nie bemerkt, wie massiv Julian Casablancas auf fast jedem seiner Alben Stimmeffekte eingesetzt hat.

Dass der verzerrte, komprimierte Sound seiner Stimme auf Is This It gefeiert wurde, während das Autotune auf Reality Awaits zerrissen wird, ändert nichts an der Sache selbst: Es bleibt ein künstlerischer Einsatz eines Werkzeugs, das die Stimme verändert.

So oder so hat uns der Sound von Reality Awaits so sehr an Daft Punk erinnert, dass wir keinen besseren Weg fanden, die Songs einzuordnen, als diesen: vom meisten Daft Punk zum meisten Strokes.

9 - Falling out of Love

6 Minuten und 20 Song, eine Art Odyssee für die Aufmerksamkeitsspanne neuer Generationen (aber auch alter, zermürbt vom Internet). Daft Punk auf 110%, klingt wie eine Demo von Random Access Memory, ein schwieriger Track, den man liebt, wenn man den Text aufmerksam liest.

8 - Psycho Shit

Mehr Daft Punk oder mehr Exit Music (For a Film) von Radiohead? Eine gute Frage, noch komplizierter durch die Anklänge an The Gnome und See Emily Play der frühen Pink Floyd, die im zweiten, verstörenden Teil des Songs auftauchen. Der schwierigste Song des Albums, und auch der erste: von hier an geht es nur noch bergab.

7 - Tyrants of the Mellow Moon

Der letzte Track des Albums, vielleicht auch sein Manifest. So oder so, ziemlich viel Daft Punk im Sound.

So we go for one more ride And that's okay 'cause I did my time But now I wait for another chance When I will take everything I can

Here we are for the final time And I hope you say that I made you laugh Oh, I tried to make things right Though it's hard, maybe I can for just one night Though I never say the same thing twice I will sigh one more time

6 - Going Shopping

Hört man das ganze Album, versteht man kaum, warum Going Shopping als Single gewählt wurde, als Visitenkarte nach 6 Jahren Stille. Es ist nicht der beste Track, nicht der experimentellste, nicht der, der am stärksten mit der Geschichte der Strokes verbunden ist. Gerade deshalb erklärt sich vielleicht bestens, warum er als Single gewählt wurde.

5 - Liar's Remorse

Ein Song, der nichts anderem gleicht, außer einem Anfang, der an Stairway To Heaven erinnert und in 30 Sekunden in einen fast reggaehaften Sound übergeht. Während man auf die Drums wartet, bleibt man an Julians Zeilen kleben, die über einer viel zu schlichten Grundlage tanzen. Auch hier heben die Worte den Song auf ein anderes Level, aber nicht so sehr wie das Outro, das all das Warten auf die Drums aufnimmt und in einem Ende auflöst, das sprachlos macht. Ein wirklich überraschender Track, der ohne jede Erwartung beginnt, Minute für Minute besser wird und am Ende zu einem deiner Lieblingssongs wird.

4 - Dine N'Dash

Hier beginnen wir, in ein Gebiet vorzudringen, das von Songs bevölkert ist, die auf jedem anderen Album der Strokes nicht allzu fehl am Platz gewirkt hätten.

3 - The Fruits of Conquest

Er ist nur deshalb nicht auf Platz eins, weil er mehr Rolling Stones als Strokes ist. Ein bisschen Gimme Shelter, ein bisschen Mess It Up, ein bisschen Mick Jagger in Miracle Worker.

2 - Lonely in the Future

Reality Awaits kann gefallen oder nicht, wie gesagt wirkt es wie ein Album, das zum Spalten gemacht wurde, aber bei Lonely in the Future gibt es wenig zu diskutieren: Das ist ein gewaltiger Track.

Es gibt Innovation, ja, aber trotzdem wirkt es wie ein Song, der aus 2001 gefallen und perfekt verkleidet ist, um in 2026 zu passen. Er wäre auf Platz eins, wäre da nicht dieser Autotune Drift, der uns daran erinnert, dass es eben kein Track von 2001 ist.

1 - Going to Babble On

Erinnert an Threat of Joy und Someday, mit ein paar Anklängen an Phoenix. Für Fans der klassischeren Strokes wird das der beste Track des Albums sein. Würde man uns sagen, er stamme von irgendeinem anderen Album der Band, würden wir es ohne Weiteres glauben.